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Umstrittene Norm: Interview mit Herbert Gottschalk vom TÜV Süd

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Seit Einführung der Energieeinsparverordnung (EnEV) nimmt die Dichtigkeit von Gebäudehüllen stetig zu – mit absehbaren Folgen für das Innenraumklima. Um Feuchteschäden entgegenzuwirken, wurde die DIN 1946-6 auf den Weg gebracht. Die Lüftungsnorm ist allerdings unter Experten umstritten. Wir haben mit Dipl.-Ing. Herbert Gottschalk über die DIN 1946-6 gesprochen. Gottschalk ist Leiter Bautechnik bei der TÜV Süd Industrie Service Gmbh in München. Am 23. Juni wird der Experte Gastredner beim Weltneuheiten-Tag der Klimagriff GmbH in Solingen sein.

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Herr Gottschalk, die DIN 1946-6 ist unter Experten umstritten und wird deshalb als Regel der Technik nicht anerkannt. Warum?

„Richtig ist, dass Teilbereiche der Norm umstritten sind, weil bauphysikalische Betrachtungen nicht oder nicht ausreichend beachtet werden. Insbesondere der ‚Zwang‘, dass bei ‚Erfordernis‘ von entsprechenden lüftungstechnischen Maßnahmen Fensterlüftung – also eine Kombinaten von Lüftungsanlagen mit Fensterlüftung – ausgeschlossen ist, wird vom Markt und von den Nutzern nicht akzeptiert. Hier liegt auch das dominierende bauphysikalische Problem.

Bauphysik funktioniert nicht statisch. Das Wohnraumklima hängt vom Außenklima, der Feuchteerzeugung, der Beheizung und vom Luftaustausch ab. Da insbesondere das Außenklima und die Feuchteerzeugung stark wechseln, kann der Luftaustausch kein fester beziehungsweise fest eingestellter Wert sein, der im Wesentlichen von der Flächengröße der Wohnung abhängt. Eine Anlage mit einem fest eingestellten Wert zum Luftaustausch entspräche aber der DIN 1946-6. Die notwendige Anpassung könnte mit einer entsprechenden Steuerung der Lüftungsanlage oder – bei geringerer maschineller Lüftung – durch eine zusätzliche Fensterlüftung bewerkstelligt werden. Aber die Norm fordert nicht zwingend eine regulierbare Lüftungsanlage und schließt eine zusätzliche Fensterlüftung sogar aus.”

Die Norm sieht ein nutzerunabhängiges Lüftungskonzept vor. Unterteilt ist sie in vier Lüftungsstufen, von denen aber nur die erste ohne den Wohnungsnutzer auskommt. Besteht da nicht ein Widerspruch?

„Nein, das wäre prinzipiell schon in Ordnung. Die nutzerunabhängige Lüftung betrifft den Feuchteschutz, also praktisch gesprochen den Schutz vor Schimmel. Es soll sichergestellt werden, dass auch dann kein Schimmel entsteht, wenn sich keine Personen in der Wohnung aufhalten. Allerdings sind die entsprechenden Detailregelungen in der DIN 1946-6 bei bauphysikalischer Betrachtung nicht konsequent und schlüssig. So wird eine ‚Lüftungserfordernis‘ beschrieben, die nur zustande kommen kann, wenn Menschen in der Wohnung wären. Diese bräuchten dann aber keine maschinelle Wohnungslüftung, sondern könnten gemäß anerkannter Rechtsprechung zweimal am Tag stoßlüften.”

Der Einbau von Lüftungsanlagen gemäß DIN 1946-6 ist teuer. Bringen solche Anlagen noch weitere Probleme mit sich?

„Die Anlagen müssten zum Teil sogar noch aufwändiger und damit noch teurer errichtet werden. Denn Systeme, die eine Fensterlüftung ausschließen, müssen zwingend mindestens wohnungsweise geregelt sein. Praxisgerecht und preisgünstig schafft man das besser, wenn man ein Zulüften über die Fenster zulässt.”

Wie sollte ein bedarfsgerechtes Lüftungskonzept aussehen?

„Die Lüftung zum Feuchteschutz muss insbesondere auf den Feuchteanfall ausgelegt werden – und nicht auf die Fläche der Wohnung. Dafür wäre es beispielsweise sinnvoll, die folgenden Fälle rechnerisch nachzuweisen: Die Bewohner sind längere Zeit in Urlaub, die Nachbarin gießt die Blumen. Eine Stewardess kommt in die Wohnung, schläft und duscht abends und morgens, ist dann aber wieder mehrere Tage abwesend. Eine Person lebt in der Wohnung, ist aber ganztägig beruflich abwesend. Wenn man solche Fälle unter verschiedenen Außenklimabedingungen (Winter, Sommer) und den wirklich zutreffenden baulichen Randbedingungen berechnet, dann erhält man ein funktionierendes Konzept.”

Inwieweit können Lüftungsassistenten wie der KLIMAGRIFF® helfen?

„Der Klimagriff® misst die wesentlichen bauphysikalischen Werte, also insbesondere Temperaturen und Feuchtigkeit. Somit zeigt er an, wann gelüftet werden muss. Er kann die entsprechenden Werte auch an eine Steuerung für Heizung und Lüftung liefern und die Lüftung damit flexibel an wechselnde Klimabedingungen und Feuchteerzeugung anpassen.”

Anfragen beantwortet Ihnen gerne
Herr Georg Meyer, 
Geschäftsführer der Klimagriff GmbH, 
unter Tel. 0160/97317033 
oder per Mail an g.meyer@schimmelprotektor.de


Bildquelle: TÜV SÜD


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